Interview mit Hella und Rieke: Jahresrückblick 2007
Wie würdet ihr das vergangene Jahr 2007 zusammenfassen? Was waren eure größten Erfolge, was die härtesten Kämpfe?
Hella: Unsere größten Erfolge waren sicherlich der fünfte Platz in Berlin beim Grand Slam, der neunte Platz bei der Weltmeisterschaft in Gstaad und der vierte Platz bei den World Tour Open in Phuket. Mental war unser härtester Kampf aus meiner Sicht der 2:1-Sieg gegen Renata/Talita in Esphino!
Rieke: Rückblickend bin ich zufrieden mit der Saison 2007. Wir hatten unsere Ups and Downs, aber das ist ja normal. Unser größter Erfolg war auf jeden Fall die Halbfinalteilnahme in Phuket. Wir hatten uns beide als Ziel gesetzt, 2007 das Halbfinale zu erreichen und dass wir dieses Ziel ausgerechnet noch beim letzten Turnier erreichen, war natürlich super. Auch die WM in Gstaad und der Grand Slam in Berlin waren ein tolles Erlebnis. Das härteste Match war aus meiner Sicht das Spiel gegen Claasen/Röder bei der WM.
Finnland, Brasilien, Phuket – ihr seid viel herumgekommen im Laufe des Jahres 2007. Wo hat es euch am besten gefallen und was stünde wohl auf einer Postkarte, die ihr von dort nach Hause geschickt hättet?
Rieke: Das ist schwierig zu sagen. Ich verbinde sehr oft den Erfolg mit dem Turnierort. Von daher hat es mir natürlich in Phuket am besten gefallen. Auf der Postkarte würde dann stehen, dass wir gerade hier Tolles erleben und sogar Fans aus Deutschland vor Ort hatten, unter denen auch drei Mitarbeiter von Euroweb waren. Ebenso zu meinen Lieblingsturnieren zählen Stavanger (Norwegen), Klagenfurt und Berlin.
Hella: Am besten Gefallen hat es mir natürlich in Berlin, meiner Heimatstadt! Auf der Postkarte würde dementsprechend stehen: „Die liebsten Grüße aus Berlin, endlich bin ick mal wieder zu Hause und kann mich von Mama verwöhnen lassen…“
Einige Leute beneiden euch sicher, weil ihr an Orte kommt, an denen andere Menschen Urlaub machen wollen. Bleibt euch bei den Wettkämpfen denn überhaupt Zeit, die Gegend rund um den Veranstaltungsort der Wettkämpfe kennen zu lernen?
Rieke: Das denken viele, aber wirklich viel Zeit bleibt nicht. Vor dem Wettkampf will man sich nicht mit anderen Sachen beschäftigen und danach möchte man eigentlich so schnell wie möglich nach Hause. Letztes Jahr war ich noch ein bisschen länger in Phuket, aber das war’s auch schon. Wir versuchen eher mal im Trainingslager mehr von unserer Umgebung mitzubekommen.
Hella: Das ist eine häufig gestellte Frage, sicherlich bekommen wir Eindrücke von verschieden Ländern, aber wir sehen nicht annähernd soviel wie Urlauber. Trotzdem möchte ich es nicht missen, an so vielen verschiedenen Orten gewesen zu sein und schließlich wird das Einfluss auf meine spätere Urlaubswahl haben.
Wie schwer ist es für euch, eure Studiengänge (Hella: BWL im Fernstudium, Rieke: Medizin) neben dem Training und den Wettkämpfen weiter zu verfolgen?
Rieke: Das ist nicht ganz so leicht, gerade wenn man K.O. vom Training kommt. Ich bin zum Glück schon relativ weit und muss ‚nur‘ noch mein praktisches Jahr und danach mein Examen machen, was sich momentan überhaupt nicht mit dem Sport verbinden lässt. Aber nach Peking werde ich es in Angriff nehmen.
Hella: Das ist tatsächlich nicht gerade einfach und man muss sich schon oft überwinden, wenn man zwischen zwei Trainingseinheiten noch etwas für die Uni machen muss. Aber auf der anderen Seite tut es gut, sich mit anderen Themen außer Beachvolleyball zu beschäftigen.
Ihr hattet nach dem letzten Turnier in 2007 drei Wochen frei. Was habt ihr in dieser Zeit gemacht?
Rieke: Die erste Woche war ich in Münster, die zweite Woche war ich mit meinem Freund in San Francisco, dessen Bruder besuchen. Die dritte Woche war ich in Paderborn bei Jochen Dirksmeyer, dem besten Physiotherapeuten der Welt, um meinen Körper wieder auf Vordermann zu bringen und um gezielt an meinen körperlichen Schwachstellen zu trainieren. Dafür habe ich während der Saison weniger Zeit.
Hella: Ich habe meinen Koffer in die Ecke gestellt und meine letzten beiden Weisheitszähne ziehen lassen. In den letzten beiden Wochen hab ich dann Familie und Freunde besucht und bin ein bisschen in Deutschland unterwegs gewesen.
Wie geht es jetzt weiter? Wie bereitet ihr euch auf die nächste Saison vor?
Hella: Wir sind mittlerweile wieder voll im Training und werden im Januar das erste Mal wieder ins Trainingslager nach Brasilien fliegen. Das erste Turnier findet dann im März in Australien statt, da werden wir auch zwei Wochen vor dem Turnier anreisen.
Rieke: Im April machen wir anschließend noch ein kurzes Trainingslager in Griechenland bevor dann die Hauptsaison losgeht. Wir haben uns mit Markus Dieckmann zu Axel Büring einen weiteren sehr guten Trainer ins Boot geholt und arbeiten gerade gezielt an technischen Elementen. Es macht total Spaß und wir sind guter Dinge, dass wir nächste Saison wieder ordentlich angreifen werden.
Werdet ihr vor eurem großen Kampf bei Olympia 2008 anders trainieren als 2007?
Rieke: Ich würde nicht sagen, dass wir anders trainieren, aber dafür mehr!
Hella: Wir haben bisher jeden Winter an unserer Technik gearbeitet, um verschiedene Dinge zu verbessern. Der einzige Unterschied ist, dass Markus Dieckmann unser Training übernommen hat.
Wie lauten eure Mottos für 2008?
Hella: Da fällt mir vieles ein, zum Beispiel: „Nur die Harten kommen in Garten!“, „Flach spielen, hoch gewinnen!“, „Mut zum Risiko!“ oder „Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“
Rieke: Mein Motto ist schon seit Jahren „Geht nicht, gibt’s nicht“. Früher hatte ich an meinem Schreibtisch immer einen Aufkleber mit dem Motto, aber der ist beim Umzug leider abhanden gekommen.
Was ist euer größter Traum für 2008 und für die Zukunft allgemein?
Rieke: Da muss ich nicht lange überlegen. Ganz klar: Peking! Und natürlich, dass wir beide fit und gesund bleiben.
Hella: Unser Traum ist natürlich zunächst, die Olympia-Qualifikation zu schaffen und dort ein gutes Turnier zu spielen. Generell hoffe ich, dass wir beide fit bleiben und weiterhin zusammen Spaß an der Sache haben. Meine privaten Zukunftswünsche behalte ich an dieser Stelle für mich!
Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für das Olympiajahr 2008!
Dieser Artikel wurde am 14 Januar 2008 in der Kategorie Euroweb Sportförderung veröffentlicht.
André Nagel